22.11.2019

Waldspaziergang Insel Mainau

Spaziergang im Mainauwald

Wer die Medien aufmerksam verfolgt, weiß, dass die Dürre und der Schädlingsbefall der vergangenen Monate unsere Land- und Forstwirtschaft massiv belastet hat. Einen erschreckenden Beleg dafür liefern die Deutschlandkarten des Dürremonitors vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (www.ufz.de). Für Bodenschichten bis 1,8 Meter Tiefe zeigt die Darstellung vor allem für Nord- und Ostdeutschland großflächig „extreme“ bis „außergewöhnliche“ Dürre an.

Ich wollte dem Thema auf den Grund gehen und erfahren, in welchem Zustand die Wälder hier bei uns im Wahlkreis sind. Eine Anfrage (hier), die ich dazu im Juli an das Ministerium für den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz gestellt habe, ergab: Der Zustand der Wälder des Landkreises verschlechtert sich seit Sommer 2017 leider fortlaufend. Beim Waldspaziergang Mitte Oktober mit mehr als 20 Interessierten im Mainauwald gab es kaum bessere Nachrichten.

Kreisrat Rainer Luick, Professor für Natur- und Umweltschutz an der Hochschule Rottenburg, und Theo Straub, Förster der Insel Mainau, berichteten, dass ein regenreicher Winter für den Wald dringend notwendig sei. Die Lage ist so dramatisch, dass die Wälder in Deutschland in Summe nicht mehr als CO2-Speicher wirken können. Rainer Luick erklärte, dass die Bäume abhängig von einem funktionierenden Bodengeflecht sind, der Mykorrhiza, das Wasser und Nährstoffe für die Bäume erschließt. Der Zustand des Waldbodens - oder besser: die ökologischen Funktionen der Böden – sind aber wegen der ausbleibenden Niederschläge verheerend. Das führt so weit, dass sich die eigentliche Funktion der Kohlenstoffsenke umkehrt und viele Wälder in der Summe sogar zu Emittenten geworden sind.

Förster Straub ging auf die wirtschaftlichen Aspekte ein, denn durch den massiven Borkenkäferbefall in Fichten-dominierten Wäldern kommt es derzeit zu einem Überangebot durch die kalamitätsbedingten Einschläge. Die Holzpreise werden über Jahre unter Druck bleiben, auch wenn ein regenreicher Winter die Situation entspannen würde, denn die angelegten Schadursachen werden noch lange Wirkung zeigen.

Einig waren sich die Spaziergängerinnen und Spaziergänger, dass der Wald weiter Hilfe braucht, um seinen drei Hauptfunktionen weiterhin gerecht werden zu können: Erholung, Nutzung, Klimaschutz. Deshalb hat die Landesregierung mit dem Notfallplan Wald ein starkes Zeichen für die Erhaltung des Waldes gesetzt, unter anderem werden in den Forstverwaltungen Baden-Württembergs rund 200 neue Stellen geschaffen.

Kategorien:Aktuelles Wahlkreis
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