22.11.2019

Besichtigung des Kiesabbau-Geländes von Meichle+Mohr

Kieswerkbesichtigung bei Meichle+Mohr

Über das Nebeneinander von Rohstoffgewinnung und Biotopmanagement habe ich mich im Kieswerk der Firma Meichle+Mohr in Radolfzell informiert. Mir war es wichtig, dieses öffentlich oft sehr kontrovers diskutierte Thema mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern, Fachleuten und dem Unternehmen ausführlich zu besprechen. Neben Firmenchef Oliver Mohr und seinem Vater Rolf Mohr waren Umweltstaatssekretär Andre Baumann sowie Rainer Luick, Professor für Natur- und Umweltschutz, Thomas Körner, Geschäftsführer des NABU Donau-Bodensee, Jürgen Trautner, Landschaftsökologe und Thomas Beißwenger vom Industrieverband Steine und Erden Baden-Württemberg (ISTE) vor Ort.

Die Firma Meichle+Mohr betreibt seit 1973 westlich von Radolfzell eine Landkiesgrube. Hier gewinnt das Unternehmen Kies in unterschiedlicher Größe und Gestalt, unter anderem per Nassabbau: Dabei schwimmt ein riesiger Kran auf einem See, der das Material aus rund 60 Metern Tiefe holt, siebt und reinigt. Über Förderbänder wird der Kies auf eine Halde transportiert. Ein beeindruckendes Schauspiel für viele der Gäste, die gemeinsam mit mir – und ausgestattet mit Helm und Warnweste – das Gelände erkundeten.

Gleichzeitig haben sich in Randbereichen viele gefährdete Tier- und Pflanzenarten angesiedelt. Jürgen Trautner erklärte, dass unter anderem Kreuzkröten, Gelbbauchunken und über 150 Laufkäferarten hier ein Zuhause haben. Der aus Grundwasser entstandene, heute etwa 10 Hektar große See wird in rund 80 Jahren einmal eine 120 Hektar große Fläche umfassen, so die Planung von Meichle+Mohr. Bis dahin wird das auf dem Gelände geförderte Material dazu beitragen, dass der Bedarf der regionalen Baustoffindustrie im Umkreis von 40 Kilometern gedeckt wird. Und der ist enorm: Deutschlandweit werden jährlich rund 470 Millionen Tonnen an Kiesen, Sanden und Natur- und Feldsteinen produziert. Rund 21 Prozent gehen in den Wohnungsabbau, mehr als die Hälfte in öffentliche Bauprojekte von Bund, Ländern und Kommunen.

Festzuhalten blieb am Ende dieses wertvollen fachlichen Austauschs, dass der Bedarf von Massengütern wie Kies dezentral gedeckt werden sollte, denn kurze Transportwege reduzieren CO2-Emissionen. Und sinnvoll gesteuert können Kiesabbaustätten wertvolle Lebensräume schaffen. Zudem sind die Belange des Lärm-, Gewässer- und Bodenschutzes zu beachten, wie Andre Baumann betonte. Deswegen sollte der Recyclinganteil, auch bei Projekten, die öffentlich ausgeschrieben werden, erhöht werden: Beton aus recyceltem Material ist für die meisten Bauteile genauso einsetzbar wie Beton mit Kieszuschlag.

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