Die zweite Welle brechen

Die aktuellen Corona-Infektionszahlen zeigen: wir müssen vorsichtig sein und auf die steigende Gefährdung reagieren. Die Infektionszahlen haben eine exponentielle Dynamik entwickelt, die in ihren Auswirkungen die der ersten Welle im Frühjahr weit übersteigt. Bereits jetzt bezeichnen Intensivmedizinerinnen und -mediziner die Lage als „absolut besorgniserregend“. Die Zahlen der Krankenhauseinweisungen, der Intensivbettenbelegung, der benötigten Beatmungsplätze steigen beständig. Da diese Entwicklungen zeitlich hinter den Infektionszahlen liegen, sind sie ein aussagekräftiger Indikator dafür, was uns in wenigen Wochen erwarten kann, wenn die Zahlen weiterhin ungebremst steigen. Das werden sie tun, wenn wir jetzt nicht konsequent handeln.

Zugegeben, diese Maßnahmen tun weh. Dennoch gilt es einen Kollaps unseres Gesundheitssystems zu verhindern, denn wir wollen sicherstellen, dass kranke Menschen weiterhin vollumfänglich die notwendige medizinische Hilfe erhalten. Wir wollen alle nicht, dass Ärztinnen und Ärzte darüber entscheiden müssen, wer ein Beatmungsgerät erhält und wer nicht.

Außerdem wollen wir die Schulen, Kindergärten und Kitas offenhalten. Denn Kinder und Familien haben im Frühjahr sehr unter der Situation gelitten und die Risiken einer weiteren Verbreitung in Schulen, Kindergärten und Kitas lassen sich mit geeigneten Maßnahmen kontrollieren.

Die Branchen und Wirtschaftsbereiche, die durch die Maßnahmen nun erheblich eingeschränkt werden müssen, werden durch Bund und Länder durch Hilfsprogramme unterstützt. Es ist womöglich das weitreichendste und finanziell umfangreichste Unterstützungsprogramm in der Geschichte dieses Landes: Es werden im Regelfall 75% des entsprechenden Umsatzes des Vorjahresmonats ausgeglichen. Das ist sehr viel Geld – mehr Geld, als viel Betriebe, gerade in der Gastronomie, unter Pandemiebedingungen erwirtschaften könnten. Meiner Meinung nach ist das gut angelegtes Geld. Denn wir wollen, dass nach der Corona-Pandemie das Land immer noch so ist, wie es davor war.

Der Bund folgt auch dem Ruf Baden-Württembergs: Solo-Selbstständige und die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft sollen nun wesentlich stärker bei den Überbrückungshilfen berücksichtigt werden. Das ist wichtig: Denn wenn es der Kultur den Boden unter den Füßen wegreißt, ist diese mit großer Wahrscheinlichkeit in der bisherigen Form dauerhaft verloren. Vor allem aber: Auch dort arbeiten viele tatkräftige Menschen, auch der Kulturbetrieb und die Arbeitsplätze die er sichert, sind ein wichtiger Teil unserer Gesellschaft.

Auf der Ebene des Landes werden wir weiterhin alles dafür tun, dass unser kulturelles Leben und die Arbeitsplätze die damit verbunden sind, erhalten bleiben. Wir werden deshalb dort nachsteuern, wo weitere Hilfen nötig sind. Wir werden alle wirtschaftlichen Hilfsmaßnahmen fortlaufend und stets kritisch überprüfen, damit sie die betroffenen Branchen und Menschen bestmöglich unterstützen.

Dass wir bislang vergleichsweise gut durch diese Pandemie gekommen sind, liegt auch am konsequenten und entschlossenen Handeln unserer Landesregierung unter der Führung unseres Ministerpräsidenten Winfried Kretschmanns. Baden-Württemberg hat mit Winfried Kretschmann alle notwendigen Maßnahmen unterstützt, aber gleichzeitig mit Augenmaß darauf geachtet, dass die Einschränkungen das Maß des Erträglichen auch nicht überschreiten.

Insbesondere ist es aber auf den überwältigenden Zusammenhalt, die große Solidarität und Disziplin der Bürgerinnen und Bürger Baden-Württembergs zu verdanken, dass wir überhaupt in der Lage sind, die menschlichen und gesundheitlichen Folgen der Corona-Pandemie einzugrenzen und – auf lange Sicht – auch vollständig zu überwinden. Darum mein nachdrücklicher Aufruf: Lassen Sie uns in dieser Krise unvermindert zusammenhalten und die „zweite Welle“ brechen!