Rede beim Stockacher Narrengericht

Rede beim Stockacher Narrengericht

Anfang des Jahres durfte ich eine besondere Rede halten: eine Büttenrede vor dem Stockacher Narrengericht! Solch eine Chance bekommt man als Landtagsabgeordnete nicht alle Tage und die Vorbereitung der Rede war für mich außergewöhnlich. Denn normalerweise sind politische Reden ja immer sehr ernst. Bei einer Rede vor dem Stockacher Narrengericht dürfen aber Witz und Humor nicht fehlen. Hier meine Rede zum Nachlesen.

Und ein Video zu meiner närrischen Rede auf Schloss Langenstein vom letzten Jahr: www.youtube.com/watch

Zur Dreikönigssitzung in Stockach

Vor lauter Freud bin ich enzückt,
ich bin beschämt und bin beglückt,
ich werd verrückt, ganz ohne Lüge,
grad dass ich keinen Vogel kriege,

ich darf, ich krieg mich fast nicht ein,
in Stockach an Dreikönig sein!

Dabei hab‘ ich ja überhaupt
im Leben niemals dran geglaubt, dass so jemand wie ich, oh Mann,
bei euch in Stockach schwätzen kann!

Ich hab nämlich, ich tu’s euch kund,
einen Migrantenhintergrund.
Von fern komm ich in die Region, und fremd isch meine Religion,

fremd sind die Speisen, wie ich denke,
und fremd sind sogar die Getränke.
Kurzum, man wird‘s vermutet haben,
Ich bin a Mädle aus Schwaben

und bin mit Spätzle, ohne Faxen,
und Trollinger und Lemberger dort aufgewachsen.

Und jetzt, mich bringt‘s um den Verstand,
bin ich bei euch, im Badnerland.
Und noch dazu, mich trifft der Schlag,
am heiligen Dreikönigstag.

Normalerweis sind auf der Reise
am heutge Tag drei edle Weise,
und zwar, so heißt es allgemein,
des sollen Könige ja sein,

die scheuen weder Müh noch Kosten
und kommen aus dem nahen Osten.
Ja, guet, in dem Fall, bitte sehr,
von dort kommt au die Nese her!

OK, mit nahem Osten, wie mir scheint,
isch hier im Fall bloß Konstanz g‘meint.

Doch dieses Ding auf meinem Dez
dass keiner glaubt, des wär en Fez,
nein, nein, des schwör ich Stein auf Bein,
die Kapp isch bloß aus Langenstein.

Weil so ein Fuchsschwanz insgesamt
bei einem Fez nicht runterlampt!
Doch trotzdem und des sag ich hier,
e Narrenkappe passt zu mir,

denn Narren, ich sag‘s hier im Saal,
sind immer international,
ein Narr, um es noch zu ergänzen,
kennt Länder nicht und keine Grenzen!

Jüngst hat mein Telefon geklingelt,
vor Schreck hat sich mein Haar gekringelt,
gemeldet hat, ich kann‘s verbürgen,
bei mir sich der Koterzyna Jürgen.

Er sprach, er müsse mit mir schwätzen,
und da ergriff mich das Entsetzen!
Denn dreimal schon, ich kann’s euch schwören,
‘tat ich genau den Satz schon hören.

Dreimal fing es so harmlos an,
hör ich den Satz von einem Mann
und jedes Mal hat er gedroht
mit einem Heiratsangebot.

Doch sagte mir der Jürgen schlicht,
so schlimm sei es bei weitem nicht,
ich solle bloß in ein paar Sätzen
in Stockach an Dreikönig schwätzen.

Ich sei im Grund ja recht und nett,
und au net übertriebe fett,
und drum, er könnt es nicht verhehlen,
tät ich in Stockach grad noch fehlen.

Jetzt frag ich mich hier ganz genau,
warum denn, ich bin doch e Frau!
Im ganzen Richterkomitee
ich nicht a einzigs Mädle seh!

Seh ich die ganze Truppe an,
glaub ich, ich bin im Vatikan!
Bloß weiß ich nicht, ich komm nicht draus,
so wie en Papst schaut keiner aus!

Ich mein, des fänd doch jeder doof,
gäb‘s Göckel bloß im Hühnerhof!
Es g‘hören doch auf jeden Fall
auch Hühner in en Hühnerstall!

Ein Gockel bloß, so denk ich fix,
der nützt doch ohne Henne nix.
Da gäbe es doch, weiß der Geier,
Geschrei bloß, aber keine Eier!

Des hat inzwischen garantiert
sogar der Olaf Scholz kapiert
und will entziehen insoweit
jetzt die Gemeinenützigkeit,

für die Vereine, die drauf bauen
zu existieren ohne Frauen.

Ich meine ja, wie ich des seh,
der isch ja bei der SPD
und die legt ja zur Zeit, Mensch Maier,
im Grunde auch bloß taube Eier!

Jetzt weiß ich ja, da bin ich ehrlich,
des Stockach isch extrem gefährlich!
Bevor Gesichter jetzt entgleisen,
das kann ich ganz genau beweisen:

Im letzten Jahr, da war ja da,
in Stockach hier die AKK.
Bevor die hier war, klipp und klar,
war die der allergrößte Star,

die Königin ganz ohne Schmuh
der ganzen deutschen CDU.
Mit höchstem Ruhm war sie bekleckert,
nicht mal der Merz hat rumgemeckert,

und des ging so ganz wunderbar,
bis sie …? Genau! Bis sie in Stockach war!

Seitdem, ich sag es kurz und knapp,
geht‘s mit der Annegret bergab!
Vor Stockach noch ein stolzes Schwänchen,
und dann gerupft auf ein halbes Hähnchen.

Da hab ich Glück, so sag ich fromm,
dass ich bloß aus dem Landtag komm,
da bin ich sicher, garantiert,
dass mir in Stockach nichts passiert.

Ihr Narrenrichter auf der Stell,
des versprecht ihr mir doch, gell!

Ob mir in Stuttgart überhaupt
im Landtag jemand des wohl glaubt,
dass an Dreikönig ich sogar
in Stockach bei der Sitzung war?

Und dass man hier zu mir komplett,
so freundlich war und auch so nett,
obwohl ich schließlich immerhin
doch bloß a Schwoabe-Mädle bin?

Ich kann sogar noch damit prahlen:
Ich brauch den Wein hier nicht mal zahlen,
ich kann den ganz umsonst hier trinken
des tut dem Kretschmann sicher stinken,

denn der bezahlte bei euch hier
drei Eimer Wein und ein Fass Bier!

Wenn die des in der Zeitung lesen,
dass ich in Stockach bin gewesen,
da sieht man sicherlich in Massen
Kollegen dann vor Neid erblassen.

Wir Grünen könnten ohne Lügen
die absolute Mehrheit kriegen,
denn: ob schwarz, ob rot, ob gelb, ihr Leut,
die werden alle grün vor Neid.

denn ich sag denen ins Gesicht:
Ätsch, ich war in Stockach und ihr nicht!

Hohes Gericht, ihr lieben Leute,
es war mir eine große Freud,
vom Scheitel bis zum großen Zeh,
in Stockach isch es einfach schee!

Bei euch zu sein, des macht mich froh,
ich danke euch allem mit Honarro!