Keine Netzgehege im Bodensee!

Mehrere Berufsfischerverbände und Angelsportvereine haben am 10. Oktober einen Schiffskorso gegen Netzgehege im Bodensee organisiert. Ich habe als Rednerin an der Pressekonferenz teilgenommen und mich klar und deutlich gegen Netzgehege im Bodensee ausgesprochen. Ein herzliches Dankeschön nochmal an die Organisatorinnen und Organisatoren, die mit dem Schiffskorso eine corona-konforme, aber vor allem kreative, Demo auf die Beine gestellt haben.

Hier meine Rede, die ich dort gehalten habe:

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Frau Dilger,
sehr geehrter Herr Wanner, 

ich danke Ihnen sehr für die Gelegenheit, heute etwas zur Aquakultur zu sagen. 

Und ich möchte überhaupt keine Missverständnisse aufkommen lassen: Der Bodensee ist kein Acker. Das möchte ich ganz klar betonen. 

Aber es ist aus meiner Sicht auch ganz wichtig, das Thema in einem größeren Zusammenhang zu betrachten. Nämlich, dass wir uns vor Augen führen: Wofür haben wir den Bodensee?

Der Bodensee wird seit Jahrzehnten, Jahrhunderten, intensiv genutzt. Durch Fischerei, intensiven Motorbootverkehr, Strandbäder, Freizeitsportlerinnen und -Sportler und Wasserflugzeuge. Mehr als vier Millionen Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus dem Bodensee.
Fünf Millionen touristische Übernachtungen gibt es pro Jahr in der Bodenseeregion.
 

Der Bodensee ist Lebensgrundlage und Rückzugsgebiet für viele Menschen und Tiere. Nicht zuletzt wirkt sich der Klimawandel auf den Bodensee aus. Diese intensive Nutzung hat Auswirkungen auf das Wasser, aber auch auf Flora und Fauna am See. Wir haben eine Verantwortung für den Bodensee als Trinkwasserspeicher und Naherholungsgebiet.

Deshalb muss jede zusätzliche Nutzung gut überlegt sein. So auch die Aquakultur im See. Der Bodensee ist kein Versuchslabor, um Aquakultur mit einem Pilotprojekt zu untersuchen. Deshalb spreche ich mich weiterhin gegen eine industrielle Fischzucht im Bodensee aus. Ich lehne jegliche Versuche ab, eine Aquakultur im Bodensee zu etablieren. Denn wenn wir damit erst einmal anfangen, wird dies Begehrlichkeiten wecken und Nachahmer anlocken. 

Es ist völlig klar: Jede Übernutzung von Ökosystemen beginnt immer mit dem ersten kleinen Schritt. Aber dabei wird es nicht bleiben, auch wenn die BodenseeFisch-Genossenschaft mit einer vermeintlich kleindimensionierten Anlage wirbt. 

Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee hat in diesem Zusammenhang verbindliche Richtlinien festgelegt. Demnach sind Netzgehege-Anlagen im Bodensee und in seinen Zuflüssen nicht zugelassen. Auch im Wasserhaushaltsgesetz und Wassergesetz des Landes gibt es dementsprechende Regelungen. Deshalb bin ich zuversichtlich, dass wir mit den schon jetzt bestehenden gesetzlichen Regelungen genau auf dem richtigen Weg sind!

Damit dies so bleibt, setze mich dafür ein, dass Aquakultur weiterhin im Bodensee nicht erlaubt sein wird. Darüber hinaus hat die Grüne Partei, auf meine Initiative hin, zu diesem Thema eine Resolution verfasst, die sich gegen Aquakultur im Bodensee ausspricht.

Ich danke Ihnen, Frau Dilger, und Ihrem Organisationsteam herzlich, dass Sie das Thema Aquakultur im Bodensee heute mit einem Schiffskorso im Konstanzer Trichter wieder ins öffentliche Bewusstsein rücken.
Der Bodensee ist ein schützenswertes Ökosystem, das als Trinkwasser-Reservoire und mit seiner einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt für Versuche mit Aquakulturen und deren unklaren Folgewirkungen nicht in Frage kommt.

Der Bodensee ist eben kein Acker. Dabei soll es bleiben.  

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!