Pressemitteilung: Reisendenzahlen im Schienenpersonenverkehr in Baden-Württemberg – Auswertung für den Landkreis Konstanz

Im Landkreis Konstanz fahren immer mehr Menschen mit der Bahn. Dies zeigen Zahlen, die auf Initiative des Bundestagsabgeordneten Matthias Gastel aus Filderstadt vorgelegt wurden. Demnach verzeichneten die 21 Bahnhöfe und Bahnstationen des Landkreises im Jahr 2010 noch 31.000 Reisende. 2019 waren es bereits 69.000. Das entspricht einem Zuwachs von über 100 Prozent und damit mehr als einer Verdopplung der Fahrgastzahlen.

Besonders stark fiel der Zuwachs an Fahrgästen am Haltepunkt Konstanz-Petershausen aus. Hier gab es mit einem Plus von fast 250 Prozent mehr als eine Verdreifachung auf über 3000 Reisende. Sehr erfreulich waren auch die Fahrgastgewinne in den Stationen Reichenau (Baden) und in Singen-Industriegebiet von weit über 200 Prozent.Im Konstanzer Hauptbahnhof waren im vergangenen Jahr über 13.000 und damit dreimal so viele Reisende unterwegs als neun Jahre zuvor. Deutlich auf der Gewinnerseite standen auch Mühlhausen und Konstanz-Wollmatingen jeweils mit Zuwächsen von etwa 170 Prozent auf 913 bzw. 2.700 Reisende. Aber auch an den Haltestellen Radolfzell und Allensbach konnten in den vergangenen Jahren mehr als eine Verdopplung der Reisendenzahlen gemessen werden. In Singen konnte ein Zuwachs um 80 Prozent auf täglich 18.000 Reisende verzeichnet werden.

Der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel, der die Anfrage erstellt und das umfangreiche Zahlenmaterial ausgewertet hat, war selber über die deutlichen Zuwächse überrascht: „Das ist sehr erfreulich und zeigt, dass die Leute gute Angebote gerne annehmen. Die positive Entwicklung bei der Bahn, aktuell unterbrochen durch die Corona-Krise, aber auch die noch immer viel zu vollen Straßen, zeigen, dass es ein weiteres großes Potential für Verkehrsverlagerungen auf die Schiene gibt. Dieses zu heben ist gerade in der Tourismus- und Wirtschaftsregion des Bodensees mit seiner einzigartigen Natur von großer Bedeutung.“

Nese Erikli, direktgewählte Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Konstanz-Radolfzell:
„Die positive Entwicklung der Fahrtgastzahlen ist erfreulich und zeigt, dass wir die Schienenverkehre ausbauen müssen. Eine Verbesserung wird die Modernisierung und der barrierefreie Ausbau des Konstanzer Hauptbahnhofes bis nächsten Sommer sein. Ich hoffe sehr, dass es hier keine weiteren Verzögerungen gibt.
Für den Landkreis Konstanz ist der Ausbau der Gäubahn außerdem von allergrößter Bedeutung. Wir brauchen ein hochwertiges und zuverlässiges Angebot, um den Landkreis Richtung Landeshauptstadt anzubinden. Zusätzlich sind Verbesserungen auf der Bodenseegürtelbahn wichtig, um weitere Fahrgäste zum Umsteigen zu bewegen. Die Ausbau- und Elektrifizierungslücke zwischen Radolfzell und Friedrichshafen muss geschlossen werden, damit die Bodenseegürtelbahn aufgewertet wird.“

Dorothea Wehinger, direktgewählte Landtagsabgeordnete im Wahlkreis Singen, ergänzt: „Die Mobilität der Zukunft muss verstärkt auf der Schiene liegen. Dazu braucht es aber noch kräftige Anstrengungen von Seiten der Bahn. Positiv ist, dass immer mehr Menschen die Bahn benutzen, um die Umwelt zu schonen und sicherer und staufrei ans Ziel zu kommen. Das Erfolgsmodell Seehas ist der beste Beweis dafür. Darin sehen wir, wie wichtig der Nahverkehrszug mit seinem Halbstundentakt für unsere Region ist. Für mich als Abgeordnete des Wahlkreises Singen-Stockach und selbst Bahnvielfahrerin, muss der Ausbau der Gäubahn als Süd-Nordanbindung sowohl für den Personenverkehr als auch den wichtigen Güterverkehr dringend und schneller vorankommen. Für die Stadt Singen ist zudem die Singener Kurve von höchster Bedeutung. Hier müssen auch in Zukunft alle Personenzüge direkt in den Bahnhof einfahren. Dafür werde ich mich auch weiterhin einsetzen. Wenn wir dann noch die Zugverbindung mit der Ablachtalbahn von Mengen bis Stockach bekommen und die Etzwil-Bahn ebenfalls zum täglichen Fahren, ist auch das Hinterland gut angebunden.“

Zu einzelnen Städten

Konstanz-Petershausen 

Am Haltepunkt Konstanz-Peterhausen zeigt sich die positive Entwicklung der Fahrgastzahlen sehr deutlich. Durch den sehr gut angenommen „Seehas“, der zwischen Konstanz und Engen pendelt, lässt sich ein deutliches Wachstum an Bahnreisenden in Petershausen beobachten: 2010 sind dort „nur“ 884 Reisende täglich ein- bzw. ausgestiegen – 2019 waren es bereits 3050 Reisende pro Trag. Dies entspricht einem Wachstum von fast 250 Prozent.

Der Haltepunkt Petershausen hat durch vielfältige Projekte im Quartier Petershausen deutlich an Bedeutung und damit Reisenden gewonnen. Gute Beispiele für die städtebauliche Entwicklung rund um den Bahnhof sind die neue Wohnbebauung, die Fußgänger- und Radbrücke oder die neue Gemeinschaftsschule.

Ebenso gehört der Bahnhaltepunkt Konstanz-Petershausen zum zweiten Bauabschnitt des Bahnhofsmodernisierungsprogramms der Deutschen Bahn und ist seit März 2020 vollständig barrierefrei.

Außerdem sind bereits seit 2006 neue und bewährte FLIRT-Fahrzeuge in moderner Ausstattung mit genug Platz für alle Reisenden im Einsatz, welche weitere Reisende überzeugen konnten. Aber auch Intermodal ist die Region gut aufgestellt: Ab 2021 dürfen Fahrräder kostenlos im Seehas auf der Strecke Konstanz-Engen mitgenommen werden.

Reichenau (Baden) 

Der Bahnhaltepunkt Reichenau (Baden) konnte ebenfalls von den positiven Entwicklungen auf dem Seehas profitieren. 2009 stiegen hier bereits 458 Fahrgäste ein- bzw. aus – 2019 waren es bereits 1540 Reisenden am Tag. Ein Wachstum von über 230 Prozent und damit mehr als eine Verdreifachung.

Dieses Fahrgastwachstum wird auch durch den Reichenauer Bürgerbus getragen, welche die Anbindung an die Waldsiedlung sicherstellt.

Allgemeine Hinweise: Die Entwicklung an den kleinsten Stationen blende ich hier in der Detailbetrachtung aus, da die Zahlen durch die grobe Erhebungsmethode von zu geringer Zuverlässigkeit sein dürften. Die Stationen des Seehäsles bleiben unberücksichtigt, da die Antwort der Bundesregierung lediglich die von der Deutschen Bahn betriebenen Strecken aufführt. Bei den Fahrgastzahlen handelt es sich um die Ein- und Aussteiger. Umsteigende Fahrgäste werden demnach doppelt gezählt.